Der deutsche Stahlkonzern Salzgitter AG sieht derzeit keine Anzeichen für ein Ende der wirtschaftlichen Stagnation in Deutschland. Wie das Unternehmen am Freitag mitteilte, verschärft sich zudem die Unsicherheit beim Exportgeschäft, insbesondere angesichts zunehmender Spannungen zwischen den USA und ihren Handelspartnern.
Die gesamte Stahlbranche in Deutschland steht seit geraumer Zeit unter erheblichem Druck. Verantwortlich dafür sind vor allem hohe Energiepreise, eine anhaltend schwache Nachfrage – insbesondere aus der Automobil-, Bau- und Maschinenbaubranche – sowie der wachsende Wettbewerbsdruck durch Importe aus dem Ausland, vor allem aus China.
Hinzu kommt die schwierige wirtschaftliche Lage in Deutschland selbst. Das Bruttoinlandsprodukt hat in den vergangenen Quartalen kaum zugelegt. Die Regierungsparteien haben daher ein umfangreiches Investitionsprogramm in Aussicht gestellt: Ein 500 Milliarden Euro schwerer Fonds soll über die nächsten zwölf Jahre gezielt in Infrastrukturprojekte fließen, um die Konjunktur zu beleben.
Salzgitter betonte in seinem aktuellen Jahresbericht, dass die geplanten wirtschaftspolitischen Maßnahmen der neuen Bundesregierung ab der zweiten Jahreshälfte 2025 erste positive Effekte zeigen könnten – vorausgesetzt, sie werden konsequent umgesetzt.
Die Geschäftszahlen des vergangenen Jahres waren laut Unternehmen stark von der ausgebliebenen wirtschaftlichen Erholung und einem schwierigen Marktumfeld geprägt. Die Kombination aus hoher Importquote und nicht wettbewerbsfähigen Energiekosten habe die Umsatzentwicklung spürbar belastet.
„Die Rahmenbedingungen bleiben herausfordernd“, erklärte Vorstandschef Gunnar Groebler. „Umso größer sind unsere Erwartungen an die Politik, endlich für spürbare Entlastungen bei den Energiekosten zu sorgen und die regulatorischen Hürden deutlich zu senken.“
Neben den internen Herausforderungen sieht sich die europäische Stahlindustrie auch zunehmendem Druck von außen ausgesetzt. Bereits in der Vergangenheit hatte der frühere US-Präsident Donald Trump Strafzölle von 25 Prozent auf sämtliche Stahlimporte verhängt. Europäische Stahlhersteller warnten daraufhin vor einem möglichen Überangebot durch Umleitungen globaler Lieferströme – auch Salzgitter sprach sich damals für Schutzmaßnahmen seitens der EU aus.
Als Reaktion auf die Entwicklungen hat die Europäische Kommission am 19. März einen Aktionsplan vorgestellt, der die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Stahlbranche stärken soll – insbesondere gegenüber den USA und China – und gleichzeitig Schutzmaßnahmen gegen mögliche negative Folgen der US-Zölle auf Stahl- und Aluminiumimporte vorsieht.
Salzgitter hatte bereits im Februar vorläufige Zahlen für das Gesamtjahr vorgelegt und dabei auf die Möglichkeit rückläufiger Umsätze im Jahr 2025 hingewiesen. Dennoch fiel der Anstieg der Nettoverschuldung im Jahr 2024 geringer aus als erwartet – trotz steigender Investitionen in den Übergang zu einer klimafreundlicheren Produktion.
Mit Blick auf die kommenden Monate bleibt das Umfeld laut Salzgitter „komplex und ungewiss“. Das Unternehmen will jedoch weiterhin konsequent in grüne Technologien investieren und appelliert an die Politik, die nötigen Rahmenbedingungen zu schaffen, um den Standort Deutschland langfristig wettbewerbsfähig zu halten.
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